Lerne den Habicht kennen!

„Der Habicht ist ein schädlicher Vogel, der rücksichtsloseste Verfolgung verdient. Seine Wildheit und Bosheit, seine Unverträglichkeit und Mordgier machen ihn uns im höchsten Grade widerwärtig.“ Mit diesem wenig charmanten Bild wurden Menschen früher mit einem Vorurteil gegenüber dem kräftigen und geschickten Jäger geprägt. Fang- und Abschussprämien und schließlich Umweltgifte haben in Deutschland die Greife, Falken und Eulen an den Rand der Ausrottung gebracht.

Dabei spielen Beutegreifer, also Wildtiere, die sich hauptsächlich von Fleisch ernähren, in der Natur eine wichtige Rolle. Ohne Habicht und Co. können sich z.B. Feldmäuse unkontrolliert vermehren und zu einer wahren Plage werden, indem sie ganze Felder leer fressen. Auch deshalb ist Greifvogel- und Eulenschutz so wichtig.

Habichte jagen am Boden kleine Säugetiere bis zu der Größe von Kaninchen und in der Luft Vögel bis zur Größe von Tauben. Dabei wenden sie zwei unterschiedliche Jagdstrategien an. Bei der Ansitzjagd wartet der Habicht auf einem hoch gelegenen Ast, bis sich mögliche Beute unvorsichtig in seine Nähe begibt. Beim Pirschjagdflug streift der Habicht fliegend durch sein Revier. Sobald er etwas aufgespürt hat, versucht er im Sprint die Beute zu erreichen. Aufgrund der kurzen Flügel und des langen Schwanzes ist der Habicht ein sehr geschickter und wendiger Flieger. Und er scheut sich beim Jagen auch nicht, den einen oder anderen blauen Flecken und den Verlust einiger Federn zu riskieren, wenn er der flüchtenden Beute in dichte Vegetation folgt. Diese Wildheit hat ihm in der Falknersprache den Beinamen „der Draufgänger“ eingebracht.

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Der Habicht bei der Jagd. www.pixabay.com

Habichte leben in Wäldern sowie in der offenen Kulturlandschaft. Wenn genügend Beute vorhanden ist, findet man den Habicht auch in großen städtischen Parkanlagen. Da der Vogel sehr scheu ist, wird man ihn eher hören als sehen. Besonders wenn er sich in der Nähe seines Nestes, das als Horst bezeichnet wird, gestört fühlt, ertönt sein hohes „Gik, gik, gik“  - klickt auf das “Gik”, dann könnt ihr die Töne hören! (http://www.deutsche-vogelstimmen.de/habicht). Im Frühjahr legt das deutlich größere Weibchen drei bis vier Eier, die es dann für ca. 40 Tage bebrütet. In dieser Zeit ist das Männchen für die Beschaffung der Nahrung allein verantwortlich. Weil Habichte sehr aggressiv gegenüber fremden Artgenossen sind, muss der Habichtsvater, wenn er Beute bringt, sich rufend ankündigen. Sonst kann es passieren, dass die besorgte Habichtsmutter ihn als fremden Eindringling einstuft und entsprechend vehement attackiert.

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By Klaus Rassinger und Gerhard Cammerer, Museum Wiesbaden (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Das Schlüpfen der jungen Habichte ist der erste echte Kraftakt. Nachdem die Schale des Eis von dem Küken mit dem sogenannten Eizahn, einer stark verhornten Erhebung auf dem Schnabel, angeknackt wurde, benötigt es ein bis drei Tage, bis es sich endlich aus dem Ei befreit hat. Habichtsküken kommen mit offenen Augen auf die Welt, die übrigens zu Anfang ganz blau sind. Erst später färben sie sich gelb, um schließlich mit zunehmendem Alter orange bis rötlich zu werden.

Das erste Federkleid der Greifvogeljungen besteht aus feinen, weißen Dunen. Die Großfedern an Schwinge und Stoß, so heißen in der Falknersprache die Flügel und der Schwanz, wachsen erst später. Junghabichte haben im ersten Jahr eine andere Gefiederfärbung als die Altvögel. Falkner sprechen von dem sogenannten Toleranzkleid, das anderen Artgenossen zeigt, dass es sich um einen unerfahrenen Jungvogel handelt, dem man mit Nachsicht und Wohlwollen begegnet. Der Junghabicht hat bis zum ersten Federwechsel nach einem Jahr, der sogenannten Mauser, eine rötliche Brust mit einem braunen Tropfenmuster. Das Altvogelgefieder ist auf Brust und Bauch grau-weiß quergestreift.

In den ersten zwei Wochen können die jungen Habichte noch nicht alleine fressen. Sie werden daher von der Habichtsmutter mit kleinen Fleischstückchen, die direkt in den Schnabel gegeben werden, gefüttert. Gerade in den ersten Wochen ist die Habichtsmutter immer in der Nähe, um die Nachkommen vor möglichen Gefahren zu schützen. Sie entfernt sich erst weiter vom Horst, wenn die Junghabichte stark genug sind, um ihre ersten Ausflüge auf die umgebenden Äste zu machen. Auch wenn die Jungvögel zu dieser Zeit noch nicht richtig fliegen können, werden die Flugmuskeln durch kräftiges Schlagen der Flügel trainiert. In der Falknersprache heißt dieses Training Ballieren.

In der Zeit des Wachstums sind die Federn durchblutet, wenn die Federn nach ca. acht Wochen komplett entwickelt sind, wird die Durchblutung eingestellt. Falkner sagen dann, der Vogel ist trocken. Die nächste große Mutprobe für den Junghabicht ist der erste richtige Flug. Die Elterntiere unterstützen diesen wichtigen Schritt, indem sie lockend im Nachbarbaum mit Futter als Belohnung warten. In den nächsten Wochen werden die Junghabichte von den Eltern geführt, dass heißt sie folgen in der sogenannten Bettelflugphase den Eltern, die auf die Jagd gehen und ihre Nachkommen noch füttern. Diese Phase ist für die Jungvögel einfach nur herrlich. Es gibt unendlich viele Dinge zu entdecken, ständig locken neue Abenteuer, und um’s Essen muss man sich nicht kümmern, weil die Eltern diese schwere Arbeit erledigen. Entsprechend versuchen die jungen Habichte diesen unbeschwerten Zustand so lange wie möglich zu erhalten.

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Die roten Augen des Habichts. By Detrich, Phil (U.S. Fish and Wildlife Service) [Public domain], via Wikimedia Commons

 Schließlich löst sich die Familie aber im Herbst doch auf, und auch die Eltern gehen über den Winter getrennte Wege. Der Junghabicht ist von nun an für sich selbst verantwortlich. Die wenigen Wochen bis zum Einbruch des Winters werden genutzt, Flugkünste und Jagdstrategien zu verfeinern. Trotzdem wird nicht jeder Junghabicht den ersten Winter überleben. Wenn der Winter sehr hart ist und es wenig Beute gibt, droht der Hungertod. Und auch die von Menschen geformte Umwelt birgt zahlreiche Gefahren in Form von Zäunen, Hochspannungsleitungen, Windkraftanlagen und Straßen- und Schienenverkehr.

Eine eigene Familie gründet der Habicht in der Regel erst im Alter von zwei Jahren. Gemeinsam mit seinem Partner bleibt er ein Leben lang in der Zeit der Aufzucht der eigenen Nachkommen zusammen. Habichte können 20 Jahre und älter werden. Ein kleines Quiz zum Vogel des Jahres 2015 findet sich unter http://www.deutsche-vogelstimmen.de/habicht.

Wer jetzt neugierig auf die beeindruckenden Vögel geworden ist, kann sich ja schon einmal bei www.eulenbann-und-federspiel.de umschauen.

 

Und wer dann auch noch die dort beschriebenen Greifvögel „live“ kennenlernen möchte, der sollte sich ganz schnell zu dieser Umweltdiplom-Veranstaltung anmelden:

Falknerei

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